Maria Goretti und Gemma Galgani – zwei Heilige derselben Zeit

Maria Goretti (1890–1902) und Gemma Galgani (1878–1903) waren Zeitgenossinnen. Als Maria im Juli 1902 starb, lebte Gemma noch in Lucca; nur neun Monate später starb auch sie. Beide stammten aus Italien, beide führten ein kurzes Leben und beide verband eine ausgeprägte Liebe zu Christus sowie ein hohes Ideal der Reinheit.

Und doch könnten ihre Lebensgeschichten kaum unterschiedlicher erscheinen. Gemmas Leben ist von zahlreichen außergewöhnlichen mystischen Erfahrungen geprägt: Ekstasen, Visionen, Gespräche mit Jesus, Maria und ihrem Schutzengel sowie schließlich die Stigmata, die sie nach eigener Aussage 1899 empfing. Diese Erfahrungen sind durch ihre eigenen Schriften und zahlreiche Zeugenaussagen ausführlich überliefert.

Bei Maria Goretti begegnet uns dagegen zunächst ein beinahe unscheinbares christliches Leben. Sie war ein Mädchen aus einer armen Landarbeiterfamilie, half ihrer Mutter, kümmerte sich um die jüngeren Geschwister und lebte ihren Glauben im einfachen Alltag. Von Visionen, Ekstasen oder vergleichbaren mystischen Phänomenen ist bei ihr kaum die Rede. Erst die Ereignisse des Juli 1902 – ihre Gegenwehr gegen Alessandro Serenelli, ihr tödliches Leiden und besonders ihre Vergebung gegenüber ihrem Mörder – ließen die außergewöhnliche innere Haltung dieses jungen Mädchens sichtbar werden.

Interessant ist allerdings, dass Vinzenz Ruef in seiner Biographie zumindest ein außergewöhnliches Erlebnis aus Maria Gorettis Leben andeutet. Gerade dieser Hinweis verdient Aufmerksamkeit, weil solche Berichte bei Maria – anders als bei Gemma – ausgesprochen selten sind. Er ändert aber nichts am grundlegenden Unterschied: Bei Gemma tritt das Außergewöhnliche immer wieder sichtbar hervor; bei Maria Goretti liegt das Außergewöhnliche gerade in einem weitgehend gewöhnlichen Leben, dessen geistliche Tiefe erst in der äußersten Prüfung offenbar wurde.

So stehen beide Heiligen für zwei sehr unterschiedliche Formen von Heiligkeit: Gemma Galgani für eine ausgeprägt mystische Christus- und Passionsfrömmigkeit, Maria Goretti für eine im einfachen Alltag verborgene Glaubenstreue, Reinheit und schließlich Vergebung. Gerade weil beide fast gleichzeitig lebten, wird dieser Gegensatz besonders eindrucksvoll.

Auf der deutschsprachigen Website gemmagalgani.de finden Sie ihre Lebensbeschreibung, ihre Schriften uvam.

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Maria Goretti und Theresia von Lisieux – Heiligkeit im Verborgenen

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Die heutige Verehrung der hl. Maria Goretti